Engels gegen den Moral-Sozialismus: Frühsozialismus, Klassenkampf, Wissenschaft
Was meint Engels, wenn er vom Weg von der Utopie zur Wissenschaft spricht? In diesem Video geht es um Frühsozialismus (Saint-Simon, Fourier, Owen), den Bruch zum wissenschaftlichen Sozialismus bei Marx und Engels und die Frage, warum Sozialismus mehr sein muss als ein moralischer Wunsch nach Gerechtigkeit. Wir sprechen über materialistische Geschichtsauffassung, Klassenkampf, Mehrwert, Staat, Reformismus – und warum diese Unterscheidung heute, im digitalen Kapitalismus und in der Klimakrise, politisch immer noch weh tun sollte.
Begriffe kurz erklärt:
Frühsozialismus: Strömungen des 19. Jahrhunderts (z.B. Saint-Simon, Fourier, Owen), die kapitalistische Verhältnisse scharf kritisieren, aber noch keine materialistische Analyse von Klasse, Kapital und Staat haben.
Utopischer Sozialismus: Sozialismus, der aus moralischen Idealen oder Entwürfen einer „besseren Gesellschaft“ argumentiert, ohne die realen Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise und den Klassenkampf als Motor der Veränderung zu begreifen.
Wissenschaftlicher Sozialismus: Begriff von Marx/Engels: Sozialismus als Ergebnis der Analyse realer Verhältnisse – materialistische Geschichtsauffassung + Kritik der politischen Ökonomie. Kein „Plan im Kopf“, sondern Theorie der tatsächlichen Bewegung der Klassen und Produktionsverhältnisse.
Materialistische Geschichtsauffassung: Geschichte wird nicht vor allem aus Ideen, großen Persönlichkeiten oder Moral erklärt, sondern aus der Art, wie Menschen produzieren und reproduzieren – also aus Eigentumsverhältnissen, Klassenstrukturen und den daraus entstehenden Institutionen und Ideologien.
Klassenkampf: Grundkonflikt zwischen den Klassen, die über Produktionsmittel verfügen, und denen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Im Kapitalismus vor allem Bourgeoisie vs. Proletariat.
Mehrwert: Der Teil des von Arbeiter:innen geschaffenen Werts, der nicht als Lohn zurückgezahlt wird, sondern als Profit beim Kapital landet. Mehrwert ist die ökonomische Form der Ausbeutung im Kapitalismus.
Reformismus: Politik, die innerhalb des Kapitalismus Verbesserungen (Löhne, Sozialstaat usw.) erreichen will, ohne Eigentumsverhältnisse und Klassenmacht grundsätzlich anzutasten. Aus marxistischer Sicht ein Rückfall hinter die wissenschaftliche Problemstellung.
Quellen und weiterführende Literatur:
Friedrich Engels: *Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft*. In: MEW 19. Online u.a. hier: marx-wirklich-studieren.net (PDF) und Zeno.org (Volltext). Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (Anti-Dühring) – besonders die Kapitel, aus denen Engels die Schrift „Utopie zur Wissenschaft“ ausgegliedert hat. Artikel *„Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“* (Online-Nachschlagewerk) – zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Schrift. Artikel *„Wissenschaftlicher Sozialismus“* – zur Begriffsbestimmung und zur Unterscheidung von utopischem und wissenschaftlichem Sozialismus. Überblickstexte zu *Frühsozialismus* (Saint-Simon, Fourier, Owen) – Einordnung der drei als zentrale Vertreter des utopischen Sozialismus. Didaktisches Material zu den *frühen Sozialisten* (u.a. Arbeitsblatt „Eigentum ist Diebstahl – Die frühen Sozialisten“). Kommentierte Reader und Bildungsmaterialien zu Engels’ Schrift, z.B. marxistische Bildungsangebote und Studienhefte. Beiträge zur *Aktualität des Sozialismus im 21. Jahrhundert* (Sozialismus, Globalisierung, ökologische Krise, Plattformkapitalismus).
Einstiegsliteratur Sozialismus / Marxismus -Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus Sehr kurze, im Frage-Antwort-Stil geschriebene Einführung in die Grundideen des Kommunismus; wurde ursprünglich für Arbeiter:innen geschrieben und ist deutlich zugänglicher als vieles andere. -Friedrich Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft Die Schrift, um die es im Video geht: Einstieg in den wissenschaftlichen Sozialismus, mit der Unterscheidung zwischen utopischem und wissenschaftlichem Sozialismus. -Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei Der „Klassiker“ zum Einstieg: kurz, polemisch, programmatisch – kein Handbuch, aber gut, um Sprache und Grundgedanke des Marxismus kennenzulernen. -Karl Marx: Lohnarbeit und Kapital / Lohn, Preis und Profit Zwei knappe Texte, in denen Marx erklärt, wie Lohnarbeit, Ausbeutung und Profit im Kapitalismus funktionieren, ohne sofort das ganze Kapital lesen zu müssen. -Starter-Broschüren / Kurse zum Sozialismus Z.B. das „Starter-Paket Sozialismus“ mit drei kurzen Broschüren (Marx, Engels, Trotzki + Einleitungen) oder Grundlagenkurse zum Marxismus, die systematisch durch die Basics führen.
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